Stadtarchiv Ulm

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A.c. Bündnissysteme

Laufzeit: 1359 - 1555, 1604 - 1635
Umfang: 21 lfm mit 210 summarisch verzeichneten Einheiten
Findmittel: Bandrepertorium (A Rep. Bd. 1), Datenbank

Signaturen: A 1100 - A 1156, A 1200 - A 1245, A 1300 - A 1389, A 1600

Kurzbeschreibung:

Zur Sicherung des Landfriedens und zur Behauptung ihrer Selbständigkeit gegen Verpfändungen durch den Kaiser schlossen sich Reichsstädte seit der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts in wechselnder Beteiligung zu befristeten Städteeinungen zusammen, denen zeitweise auch Territorialherren als Bündnispartner beitraten. In einem 1349 zwischen 25 Reichsstädten abgeschlossenen vierjährigen Schutzbündnis wurde Ulm zum Tagungsort der regelmäßigen Bundestage bestimmt und damit als politisch führende Stadt in Schwaben anerkannt. Auch in der Folgezeit blieb Ulm treibende Kraft in den Bündnissystemen, übernahm mit seiner Kanzlei die Geschäftsführung und koordinierte in dem hier tagenden Kriegsausschuss einzelne Fehdehandlungen.

Als 1488 auf Betreiben Kaiser Friedrichs III. der Schwäbische Bund als Zusammenschluss süddeutscher Fürsten, des schwäbischen Adels und der Reichsstädte zustande kam1, übernahm mit Wilhelm Besserer der Ulmer Bürgermeister für mehr als ein Jahrzehnt das Amt des Städtehauptmanns, und erneut wurde Ulm zum bevorzugten Tagungsort. In den Mittelpunkt militärischer Ereignisse rückte Ulm dabei als Aufmarschbasis des Bundesheeres zum Feldzug gegen Herzog Ulrich von Württemberg 1519 und bei der Niederschlagung des Bauernaufstandes 1525.

Schon vor dem Auslaufen des bis 1534 befristeten Schwäbischen Bundes war Ulm, zugleich als bevollmächtigte Vertreterin weiterer oberdeutscher Reichsstädte, seit Dezember 1530 an den Verhandlungen zur Gründung des Schmalkaldischen Bundes beteiligt, dessen Bundesartikel der Ulmer Rat am 15. Januar 1531 annahm und damit den Beitritt vollzog. Den Ausbruch des Schmalkaldischen Krieges 1546 nutzte Ulm zur Besetzung benachbarter Abteien, erlebte dann aber, während die Stände des Schmalkaldischen Bundes in der Stadt tagten, den Einfall kaiserlicher Truppen in das reichsstädtische Territorium. Im Dezember 1546 gelang Ulm gegen hohe Auflagen die Aussöhnung mit dem Kaiser, und in der Folge musste 1548 das Interim eingeführt werden. Dem Anschluss an die gegen Karl V. gerichtete Fürstenopposition verweigerte sich Ulm und nahm dafür 1552 im "Markgrafenkrieg" eine Belagerung durch das Fürstenheer in Kauf.

Innerhalb der 1608 beschlossenen Evangelischen Union gewann Ulm (Mitglied seit 1609) Bedeutung als strategisch wichtige und stark befestigte Reichsstadt, vor der sich 1620 die Heere von Union und Katholischer Liga gegenüber lagen. Der Ulmer Vertrag vom 3. Juli 1620 verhinderte den Ausbruch von Feindseligkeiten, und unter dem Eindruck kaiserlicher Erfolge in der Schlacht am Weißen Berg bei Prag bekundete Ulm auf dem letzten Unionstag 1621 in Heilbronn sein Desinteresse an einer Fortführung des Bündnisses.

Mit anderen evangelischen Reichsstädten nahm Ulm 1631 am Leipziger Konvent teil, zu dem Kurfürst Johann Georg von Sachsen zur Beratung über ein Bündnis evangelischer Stände eingeladen hatte. Als ausschreibende Stadt des Schwäbischen Reichskreises war Ulm, das seit Februar 1632 im Bündnis mit Schweden stand, an dem auf Betreiben des schwedischen Kanzlers Axel Oxenstierna 1633 beschlossenen Heilbronner Bund beteiligt.

1: siehe Hesslinger, Helmo, Die Anfänge des Schwäbischen Bundes. Ein Beitrag zur Geschichte des Einungswesens und der Reichsreform unter Kaiser Friedrich III. (Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm, Bd. 9), Ulm 1970; Horst Carl, Der Schwäbische Bund 1488 bis 1534. Landfrieden und Genossenschaft im Übergang vom Spätmittelalter zur Reformation (Schriften zur südwestdeutschen Landeskunde, Bd. 24), Stuttgart 1999.

A.c.1. Städteeinungen
A.c.2. Schwäbischer Bund (1488 - 1534) und "engeres Verständnis" zwischen Augsburg, Nürnberg und Ulm (1533 - 1545)
A.c.3. Schmalkaldischer Bund, Schmalkaldischer Krieg, Interim und "Markgrafenkrieg"
A.c.4. Evangelische Union
A.c.5. Leipziger Konvent (1631) und Heilbronner Bund (1633 - 1635)