Stadtarchiv Ulm

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A.e. Kriege/Reichskriege

Laufzeit: 1471 1727, 1792 18431
Umfang: 20,8 lfm mit 292 summarisch verzeichneten Einheiten
Findmittel: Bandrepertorium (A Rep. Bd. 1) und Datenbank
Signaturen: A 1601 A 1609, A 1400 A 1570, A 1610 A 1623, A 1650 A 1704/1, A 1750 A 1775
Verweis: vgl. A.p. Kriegs- und Befestigungswesen, Kriegsamt

Kurzbeschreibung:

Die sich auf überregionale kriegerische Ereignisse beziehenden Unterlagen wurden bereits im reichsstädtischen Archiv unter der Bezeichnung der jeweiligen Kriege zusammengefasst. Mit dem Regensburger Reichstag von 1471 setzt die Ulmer Überlieferung zu den Türkenkriegen ein, die u.a. auch aus Korrespondenzen mit Partnern des Schmalkaldischen Bundes und innerhalb der Mitglieder des Schwäbischen Reichskreises erwachsen ist. Den Hauptteil bilden jedoch detaillierte Unterlagen zu den auf Initiative des Kaisers betriebenen Rüstungen, für die Ulm auf Bitten verschiedener Reichsstädte und Abteien die Anwerbung von Söldnern mitübernahm und als Sitz der Kreiskasse für die vom Schwäbischen Reichskreis zu stellenden Kontingente die Umlagen abrechnete.

Während der ersten Phase des Dreißigjährigen Krieges hatte vor allem das Ulmer Territorium unter zum Teil länger andauernden Einquartierungen kaiserlicher Truppen zu leiden. Ein 1632 mit Gustav Adolf abgeschlossener Schutzvertrag führte bis zum Prager Frieden von 1635 eine schwedische Besatzung in die Stadt, die Ulm als Operationsbasis nutzte und hier wiederholt von kaiserlichen Truppen bedrängt wurde. Durchmärsche von Truppen aller kriegführenden Parteien zogen das Ulmer Territorium und die Stadt, die viele Flüchtlinge aufnahm, sich aber als militärisch uneinnehmbar erwies, besonders im letzten Jahrzehnt des Krieges schwer in Mitleidenschaft2.

Wurden Ulm und sein Territorium im Niederländischen Krieg (1672-1679), in dem der kaiserliche Generalfeldmarschall Herzog Karl von Lothringen im Winter 1678/79 in Günzburg residierte, vor allem von Truppendurchzügen, Proviant- und Quartierleistungen betroffen, so bildete der Einfall französischer Truppen in den Schwäbischen Kreis im Pfälzischen Krieg (1688 1697) eine ernste Bedrohung. Zwar nahm Ulm 1688/89 eine kaiserliche Besatzung auf, die jedoch Brandschatzungen im reichsstädtischen Territorium durch Soldaten des französischen Heerführers Melac nicht verhindern konnte. Über den weiteren Verlauf des Krieges wurde Ulm durch die Stände des Schwäbischen Kreises und vor allem von betroffenen Städten regelmäßig unterrichtet.

Durch einen gelungenen Überfall wurde Ulm im Spanischen Erbfolgekrieg am 8. September 1702 von Truppen des bayerischen Kurfürsten Max Emanuel eingenommen und erhielt bis zur Rückeroberung nach der Schlacht bei Höchstädt 1704 eine drückende bayerisch-französische Besatzung. Von den hohen Kontributionszahlungen und den Verwüstungen im Ulmer Territorium, die erneute Franzoseneinfälle 1707 noch ausweiteten, konnte sich die Reichsstadt wirtschaftlich nur schwer erholen.

Im ersten Revolutionskrieg blieb Ulm zunächst militärisches Hinterland, bis es im August/September 1796 von Truppen des französischen Generals Moreau besetzt wurde, die sich jedoch gegen die anmarschierenden Österreicher nur kurzzeitig behaupten konnten. Zwar ließ die einrückende österreichische Besatzung die Schanzen um die Reichsstadt verstärken, musste im Oktober 1800 aber Ulm wieder an Moreau übergeben, der die Festungsanlagen vor seinem Abzug 1801 schleifen ließ. Die Kapitulation österreichischer Truppen vor Napoleon nach der Schlacht bei Elchingen 1805 erlebte Ulm als bereits mediatisierte Stadt, blieb aber auch in den folgenden Jahren der Napoleonischen Ära ein wichtiger Etappenort.

1: Zur Laufzeit vgl. A.e.5. Revolutions- und Napoleonische Kriege
2: siehe Zillhardt, Gerd, Der Dreißigjährige Krieg in zeitgenössischer Darstellung. Hans Heberles "Zeytregister" (1618 1672), Aufzeichnungen aus dem Ulmer Territorium (Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm, Bd. 13), Ulm 1975.

A.e.1. Türkenkriege
A.e.2. Dreißigjähriger Krieg
A.e.3. Niederländischer und Pfälzischer Krieg
A.e.4. Spanischer Erbfolgekrieg
A.e.5. Revolutions- und Napoleonische Kriege