Stadtarchiv Ulm

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A.g. Bewohner der Reichsstadt

Laufzeit: 1347 1824
Umfang: 6,80 lfm mit 192 verzeichneten Einheiten
Findmittel: Bandrepertorium (A Rep. Bd. 6) und Datenbank
Signaturen: A 3720 A 3918

Kurzbeschreibung:
Über die Aufnahme ins Bürgerrecht, sofern es nicht durch Geburt erworben wurde, entschied der Rat, wobei für Männer das Bürgerrecht mit der gleichzeitigen Aufnahme in eine Zunft verbunden war. Längere, meist beruflich bedingte Abwesenheit von der Stadt unter Beibehaltung des Bürgerrechts als "Erlaubtbürger" bedurfte ebenso der Zustimmung des Rats wie der Verzicht auf das Bürgerrecht. Einem Ratsentscheid vorbehalten war auch die zunächst meist befristete Aufnahme ins Beiwohnerrecht, das den Schutz der Reichsstadt und eine Berufsausübung innerhalb der Mauern ermöglichte, aber keine verfassungsrechtliche Mitbestimmung gewährte. Den Status von Beiwohnern konnten auch auswärtige Standespersonen gegen Entrichtung eines "Schutz- und Schirmgelds" als sog. Pfahlbürger erwerben.

Als in sich geschlossener eigener Stand behaupteten sich die Patrizier in den Verfassungen der Schwörbriefe von 1345, 1397 und 1558 und grenzten sich zudem durch die Erhebung von 17 Familien in den erblichen Adel durch Kaiser Karl V. 1552 gegenüber den Bürgern aus den Zünften ab. Äußeres Merkmal bildete die Zugehörigkeit zu der nach der Oberen Stube als Versammlungsort benannten Patrizischen Stubengesellschaft. Auf Exklusivität und die Wahrung ihrer Vorrechte bedacht, standen die Patrizier der Aufnahme neuer, vom Kaiser nobilitierter Familien reserviert gegenüber.

Juden konnten bis 1474 ins Ulmer Bürgerrecht aufgenommen werden, aber der Zugang zu den Zünften der Handel- und Gewerbetreibenden blieb ihnen verwehrt1. Eine Urkunde König Maximilians I. vom 6. August 1499 leitete die Ausweisung der Juden ein und verbot deren künftige Ansiedlung in der Reichsstadt. Unter strengen Auflagen wurde ihnen jedoch der Zugang zum Markt und zur Abwicklung von Handelsgeschäften gestattet. Erst die bayerische Regierung hob 1808 den von Juden erhobenen Leibzoll auf.

Durch die bayerische Konstitution von 1808 wurde auch die Leibeigenschaft, die bisher der Aufnahme ins Bürger- oder Beiwohnerrecht und damit dem dauernden Aufenthalt in der Stadt entgegenstand, beseitigt.

1: siehe dazu Zeugnisse zur Geschichte der Juden in Ulm (hrsg. vom Stadtarchiv Ulm), Ulm 1991, bes. S. 179-200.

A.g.1. Bürgerschaft
A.g.2. Beiwohner
A.g.3. Patriziat
A.g.4. Juden
A.g.5. Leibeigene