Stadtarchiv Ulm

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A.i. Ratskonsulenten, Kanzlei und Beamte, Registratur und Archiv

Laufzeit: 13. Jh. 1861
Umfang: 6,10 lfm mit 131 verzeichneten Einheiten
Findmittel: Bandrepertorium (A Rep Bd. 5) und Datenbank
Signaturen: A 3536 - A 3662

Kurzbeschreibung:

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts übernahmen die Ratsadvokaten (seit 1679 unter der Bezeichnung "Ratskonsulenten") vom Stadtschreiber, der sich fortan auf die Leitung der Kanzlei konzentrierte, die juristische Beratung von Bürgermeister und Rat1. Da den Ratskonsulenten der mündliche Vortrag in den Ratssitzungen verwehrt blieb, schlug sich deren Tätigkeit in Korrespondenzen und umfangreichen Gutachten nieder. Zur Stellungnahme aufgefordert wurden sie in allen auftretenden Rechtsfällen, aber auch in Verwaltungsangelegenheiten; darüber hinaus wurden sie mit diplomatischen Missionen betraut und auch von auswärtigen Ständen zu Rechtsberatungen herangezogen.

Als Vorstand der Kanzlei oblag dem Stadtschreiber, dem innerhalb der Verwaltungshierarchie ranghöchsten Beamten der Reichsstadt, die Führung der Ratsprotokolle2. Vertreten wurde er durch den für die Sitzungen des Geheimen Rats zuständigen Geheimen Sekretär und den Gerichtsschreiber, dem zugleich die laufenden Geschäfte der Schwäbischen Städtebank übertragen waren. Mitglieder der Kanzlei waren ferner wegen seiner Funktion als Urkundsbeamter der Stadtpfandbuchschreiber und bis 1782 der u.a. mit der Ausfertigung der Lehrbriefe beauftragte Handwerksschreiber; letztere Funktion wurde 1782 mit dem Amt des Geheimen Sekretärs zusammengelegt. Zur Heranbildung des Nachwuchses und in Fortführung einer bis ins 15. Jahrhundert zurückreichenden Tradition3 wurden "Kanzleijungen", häufig Schüler des Ulmer Gymnasium academicum, in die praktische Kanzleiarbeit eingeführt und von Ratskonsulenten auf das juristische Studium vorbereitet.

Die Überlieferung zum reichsstädtischen Archivwesen setzt erst zu Beginn des 16. Jahrhunderts mit einer Weisung des Rats zur Erfassung und Verzeichnung aller Urkunden und Verträge ein4. Der bis zum Ende der Reichsstadtzeit beträchtlich angewachsene Umfang an Verwaltungsschriftgut, zu dessen Ordnung auch die Ratskonsulenten herangezogen wurden, wurde nach der Mediatisierung durch gezielte Entnahmen bayerischer und württembergischer Behörden und durch unkontrollierte Kassationen dezimiert.

1: siehe Gänßlen, Gerhard, Die Ratsadvokaten und Ratskonsulenten der Reichsstadt Ulm (Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm, Bd. 6), Ulm 1966.
2: Dazu und zum folgenden siehe Haid, Johann Herkules, Ulm mit seinem Gebiete, Ulm 1786, S. 350-353.
3: siehe Geiger, Gottfried, Die Reichsstadt Ulm vor der Reformation (Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm, Bd. 11), Ulm 1971, S. 54 f.
4: siehe Specker, Hans Eugen, Überblick zur Archiv- und Bestandsgeschichte.

A.i.1. Ratskonsulenten
A.i.2. Kanzlei und Beamte
A.i.3. Registratur und Archiv