Stadtarchiv Ulm

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A.n. Handwerksamt

Laufzeit: (1336), 1346 1895
Umfang: ungefähr 17,40 lfm mit 784 Einheiten
Findmittel: Bandrepertorium (A Rep Bd. 8) und Datenbank
Signaturen: Der Bestand wurde bei der Rückführung nach kriegsbedingter Verlagerung, während der die Ordnung gestört wurde, provisorisch nach Numerus currens aufgenommen. Eine Auflistung der Springnummern erschien nicht sinnvoll; Hinweise auf die vorläufigen Signaturen einzelner Faszikel finden sich in der Inhaltsbeschreibung.
Verweise: vgl. A.h.3. Rat: Handwerksregister zu den Ratsprotokollen;
vgl. A.o.33. Steueramt: Tax- und Schauordnungen

Kurzbeschreibung:

Die mit zehn namentlich genannten Zunftmeistern 1292 erstmals urkundlich erwähnten Zünfte gewannen weitgehende Selbstverwaltungsrechte und bestimmten seit dem Großen Schwörbrief von 1397 durch Wahl ihre Vertreter im Kleinen und Großen Rat; in beiden Gremien verfügten die Zünfte über die Mehrheit gegenüber den Patriziern. Die von Kaiser Karl V. 1548 verfügte Verfassungsänderung beendete die zünftische Vorherrschaft und hob die Zünfte als politisch selbständige Korporationen auf1.

Am 20. September 1548 wurden drei Ratsherren (zwei Patrizier und ein Mitglied des Handelsstandes) zu "Handwerksherren" bestellt, denen die 17 "gewesenen Zünfte" ihre Urkunden und Ordnungen zur Anpassung an die neuen Verfassungsbestimmungen übergeben mussten. Mit dem Schwörbrief von 1558 wurden den "erbaren Gewerben und Handtwerckern" zwar einige Rechte zurückgegeben, sie aber der Aufsicht des Handwerksamtes (Handwerksherren) unterstellt. Zugestanden wurde den "Rotten", wie die ehemaligen Zünfte vorübergehend offiziell bezeichnet wurden, die Wahl von zwei Vorstehern und zwölf Beisitzern, den "Zwölfmeistern", aus deren Mitte der Büchsenmeister zur Verwaltung der Finanzen zu wählen war. Vorsteher und Zwölfmeister bildeten zusammen das "Bott", weil sie ihre Berufsgenossen zu Versammlungen aufbieten konnten. Die den Gewerben zunächst eingeräumte Strafgerichtsbarkeit in geringfügigen Fällen und die noch verbliebenen Selbstverwaltungsrechte wurden seit dem Ende des 16. Jahrhunderts schrittweise zu Gunsten von Handwerksamt und Rat zurückgedrängt, und danach wurde auch die traditionelle Bezeichnung "Zunft" von der Obrigkeit wieder toleriert. Zunftversammlungen bedurften der Anmeldung beim Handwerksamt, und Handwerksordnungen mussten vom Rat genehmigt werden. Im Rahmen dieser Ordnungen, z.B. in der Annahme von Lehrlingen und Gesellen oder der Anerkennung als Meister sowie in der Schlichtung von Klagen einzelner Zunftangehöriger gegeneinander, bewegte sich der Entscheidungsspielraum der Zünfte. Differenzen, insbesondere Kompetenzstreitigkeiten zwischen einzelnen Zünften, waren vor das "über alle Gewerb und Handwerke" gesetzte Handwerksamt und ggf. über dieses vor den Rat zu bringen.

Innerhalb der Zünfte waren in der Regel verschiedene Gewerbezweige zusammengefasst. Durch Verselbständigung der Bierbrauer (vorher auf verschiedene Zünfte aufgeteilt), der Maurer (früher Schmiedezunft), der Tuchscherer (früher Schneiderzunft) und der Zimmerleute (früher Schreinerzunft) erhöhte sich die Zahl der Zünfte bis zum Ende des 18. Jahrhunderts von 17 auf 21.

Untereinander beachteten die Zünfte eine aus dem Herkommen erwachsene Rangfolge, an deren Spitze die Kramer und Kaufleute standen. Aus Gründen der Übersichtlichkeit werden die Zünfte im folgenden jedoch in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Dabei ist zu berücksichtigen, dass es sich um einen sowohl aus der Überlieferung des Handwerksamtes als auch einzelner Zünfte bestehenden Mischbestand handelt. Teilweise sind letztere Unterlagen von späteren Innungen, zum Teil zusammen mit deren Akten, an das Stadtarchiv abgegeben und dort zwischen dem reichsstädtischen Bestand A und dem für die württembergische Zeit ab 1810 geführten Bestand B aufgeteilt worden. Von daher erklärt sich die Abweichung vom Grenzjahr 1810. Eine Beständebereinigung unter Berücksichtigung des jeweiligen Überlieferungszusammenhangs ist geplant.

1: siehe Naujoks, Eberhard, Obrigkeitsgedanke, Zunftverfassung und Reformation. Studien zur Verfassungsgeschichte von Ulm, Esslingen und Schwäbisch Gmünd (Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg, Reihe B: Forschungen, Bd. 3) Stuttgart 1958; ders., Kaiser Karl V. und die Zunftverfassung. Ausgewählte Aktenstücke zu den Verfassungsänderungen in den oberdeutschen Reichsstädten 1547 1556 (Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg, Reihe A: Quellen, Bd. 36), Stuttgart 1985.

A.n.1. Handwerksamt: Organisation und Verwaltung
A.n.2. Handwerks- und Arbeitsordnungen
A.n.3. Zunftwesen