Stadtarchiv Ulm

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A.r. Pfarrkirchenbaupfleg- und Religionsamt - Kirchen, Schulen und Kulturpflege

Laufzeit: (1229), 1316 - 1810, 1855
Umfang: ungefähr 53,10 lfm mit 2243 Einheiten
Findmittel: Bandrepertorium (A Rep. 13 15) und Datenbank
Signaturen: Der Bestand wurde bei der Rückführung nach kriegsbedingter Verlagerung, während der die Ordnung gestört wurde, provisorisch nach numerus currens aufgenommen. Eine Auflistung der Springnummern erschien nicht sinnvoll. Hinweise auf die vorläufigen Signaturen einzelner Faszikel finden sich in der Inhaltsbeschreibung.
Verweis: vgl. A.a. Reichsstädtische Urkundenüberlieferung; vgl. A.h.3. Rat: Stadt- und Herrschaftsregister zu den Ratsprotokollen; vgl. A.s. Stifte, Klöster, Ordensgemeinschaften

Kurzbeschreibung:

Das Pfarrkirchenbaupflegamt, entstanden in der zweiten Hälfte des 14. Jhs. aus einem Ratsgremium zur Verwaltung des reichen Kirchenvermögens der einzigen städtischen Pfarrkirche war jeweils mit zwei Patriziern und einem zünftischen Ratsherrn, meist einem Mitglied des Geheimen Rats besetzt1. Die 1377 urkundlich genannten drei Pfarrkirchenbaupfleger2 stehen zweifellos in engem Zusammenhang mit der Verlegung und dem Bau der Kirche. Zusammen mit dem Religionsamt, das sich aus dem 1531 vom Rat berufenen Neunerausschuß, den sog. Religionsherren, entwickelt hatte, und dem später (nach 1548) mit den beiden Ratsälteren, höchste reichsstädtische Repräsentanten, und ein bürgerliches Ratsmitglied, ebenfalls aus dem Geheimen Rat, angehörten, bildete das Pfarrkirchenbaupflegamt die oberste reichsstädtische Kirchen- und Kultusbehörde. Die Besetzung der beiden Ämter mit ranghohen Ratsmitgliedern macht deutlich, welche besondere Bedeutung man dieser Behörde zumaß, deren Verwaltungsgeschäfte von den Beamten des Pfarrkirchenbaupflegamtes besorgt wurden.

Den Religionsherrn wurde 1537 vom Rat die zentrale Aufgabe zugewiesen, über die Einhaltung " ains erbarn rats cristenliche ordnung aller end fleißig" zu achten und gegen jeden, der " dawider, er sey predicant oder ander, handelt" vorzugehen3. Bei anstehenden "Religionssachen" und wenn es galt " in Kirchen und Schulen etwas zu ändern oder zu bestellen und zu ersetzen", erarbeiteten - Aufgabenbeschreibung von Marcus Wollaib 1714 - die Religionsherren in einer gemeinsamen Sitzung "eine Dispotion"4. Organisatorisch waren die Religionsherren an das Pfarrkirchenpflegamt angebunden, wo seit der Mitte des 16. Jhs. die gemeinsamen Beratungen von Religionsherrn und Pfarrkirchenbaupflegern, teilweise unter Teilnahme von Geistlichen, zu Religionsfragen wie zum Kirchen- und Schulwesen in Stadt und Land stattfanden. Bei gemeinsamer Sorge von Religionsherren und Pfarrkirchenbaupflegern für die Einhaltung und Durchführung der obrigkeitlichen Kirchen- und Schulordnungen, die Stellenbesetzung von Pfarrern und Lehrern, verbunden mit der Aufsicht über deren Wirken und Arbeiten, oblag dem Pfarrkirchenbaupflegamt der Bau und Unterhalt von Kirchen, Pfarr- und Schulhäusern oder sonstigen Amtsgebäuden in Stadt und Territorium. Zu den umfangreichsten Aufgaben des Amtes gehörte die Verwaltung der Finanzen, des Vermögens, der Liegenschaften und der damit verbundenen Nutzungsrechte der Ulmer Pfarrkirche.

Die Vielfalt der Aufgaben und Zuständigkeiten von Religions- und Pfarrkirchenbaupflegamt spiegelt sich auch in Breite und Umfang der beim Amt erwachsenen Überlieferung wider, innerhalb der wohl im Zuge archivischer Ordnungsarbeiten5 die Hauptmasse der reformationsgeschichtlichen Akten vermutlich um die Wende des 17./18. Jhs. gesondert zu einzelnen Aktenbänden (mit jeweils unterschiedlichen reformatorischen Vorgängen innerhalb eines Bandes, teilweise mit ausführlichen Inhaltsverzeichnissen) zusammengestellt wurde. In Anlehnung daran und in Fortführung wurde wohl um 1900 ein Bestand "Reformationsakten" gebildet6. Vermutlich um dieselbe Zeit wurde aus den Gymnasialakten des Amtes, ergänzt durch nichtamtliche Überlieferung, ein eigener Bestand "A Gymnasium" angelegt7, der heute in die Amtsüberlieferung wieder eingegliedert ist.

1: vgl. Neusser, Gerold, Das Territorium der Reichsstadt Ulm im 18. Jahrhundert (Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm, Bd. 4), Ulm 1964, S. 62.
2: Die Urkunde vom 3. Oktober 1377, in der die Pfarrkirchenbaupfleger genannt sind, ist als notariell beglaubigte Abschrift überliefert: StA Ulm, A Urk. Ve. 1377 Oktober 8, ediert in: Ulmisches Urkundenbuch, Bd. 2, T. 2 (hrsg.von Gustav Vesenmeyer und Hugo Bazing), Ulm 1900, S.843, Nr. 1049
3: StA Ulm, A [6872/1], fol.2.
4: StA Ulm, G 1 / 1714: Marcus Wollaib, Paradysus Ulmensis, S. 235.
5: siehe Specker, Hans Eugen, Überblick zur Archiv- und Bestandsgeschichte des Stadtarchivs Ulm
6: vgl. A.r.6.1. Reformation
7: vgl. A.r.10. dazu Schulwesen

A.r.1. Organisation und Verwaltung
A.r.2. Beziehungen zu Papst und Bischof
A.r.3. Geistliche und Prädikanten
A.r.4. Münster (städtische Pfarrkirche) und Münsterkirchhof
A.r.5. Kirchen und Kapellen in der Stadt
A.r.6. Religiöses und Kirchliches Leben
A.r.7. Gemeindeleben
A.r.8. Kirchenwesen in bayrischer Zeit 1802 - 1810
A.r.9. Kirchen und Schulen auf dem Land1
A.r.10. Schulwesen1
A.r.11. Kulturpflege
A.r.12. Güterbesitz, Einkommen, Pfründen und Stiftungen