Stadtarchiv Ulm

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A.s. Stifte, Klöster, Ordensgemeinschaften

Laufzeit: (1183), 1427 - 1817, 1847
Umfang: ungefähr 10,45 lfm mit 459 provisorisch verzeichneten Einheiten
Findmittel: Bandrepertorium (A Rep. Bd. 18) und Datenbank
Signaturen: Der Bestand wurde bei der Rückführung nach kriegsbedingter Verlagerung, während der die Ordnung gestört wurde, nach numerus currens aufgenommen. Eine Auflistung der Springnummern erschien nicht sinnvoll. Hinweise auf die vorläufigen Signaturen einzelner Faszikel finden sich in der Inhaltsbeschreibung
Verweis: vgl. A.a. Reichsstädtischer Urkundenüberlieferung, vgl. A.r. Parrkirchenbaupfleg- und Religionsamt

Kurzbeschreibung:

Die erhaltene Überlieferung zu den Ordensniederlassungen in Ulm und den benachbarten Klöstern Wiblingen und Söflingen, spiegelt vornehmlich die Beziehungen zwischen der Reichsstadt und den einzelnen Ordenshäusern wider, was offensichtlich auch der Anlass zur Bildung dieses Bestandes war. Mehrheitlich handelt es sich dabei um Akten städtischer Provenienz, ergänzt durch Unterlagen der Orden vor allem zur Liegenschafts – und Finanzverwaltung. Übernommen wurden letztere wohl im Zuge und als Folge der Ordensaufhebungen. Beim Bestand Klarissenkloster Söflingen befinden sich auch noch Akten der Gemeinde und des kurpfalzbayerischen Landgerichts Söflingen (1802/03 - 1810).

Die Geschichte der Ulmer Ordensniederlassungen beginnt mit dem Augustinerchorherrenstift St. Michael zu den Wengen1. 1183 als Pilgerhospital auf dem Michelsberg im Norden der Stadt gegründet, wurde das Stift 1215 auf die westlich vor der Stadt gelegenen Blauinseln und 1399 in die Stadt verlegt. Mit dem Einzug in die Stadt musste das bereits 1377 in das Ulmer Bürgerrecht aufgenommene Stift auf die Ausübung von Pfarrrechten verzichten. Verstärkt versuchte der Ulmer Rat, begründet auf sein Schutz- und Schirmrecht, Einfluss auf das Stift zu nehmen. Spannungen, vor allem mit dem Pfarrklerus, blieben nicht aus.

Den Augustinerchorherrn folgten zu Beginn des 13. Jhs. die Deutschhherren2. Zwischen 1216 und 1221 schenkte Markgraf Hermann V. von Baden den Brüdern des deutschen Hospitals zur hl. Maria in Jerusalem beträchtlichen Grundbesitz in Ulm und 1226 stiftete Meinloh von Söflingen Ordenshaus und Kirche. Zunächst außerhalb der Stadt angesiedelt, wurde die Kommende, für die 1281 erstmals ein Komtur namentlich bezeugt ist, in die 1316 begonnene Stadterweiterung einbezogen. Dem spürbaren Machtzuwachs versuchte der Rat entgegenzuwirken. Seit der Aufnahme der Kommende ins Bürgerrecht 1343 waren die Deutschherren zur Steuerzahlung verpflichtet; Gütererwerb auf der Markung der Stadt bedurfte der Zustimmung des Rates. erwerben. Unstimmigkeiten ergaben sich vor allem aus dem von der Kommende beanspruchten und praktizierten Asylrecht, die 1462 sogar zur vorübergehenden Besetzung des Deutschhauses durch die Stadt führten.

Von Schwäbisch Gmünd 1229 kommend, begannen 1229 Franziskaner3 am "Löwentor" , dem Westtor der staufischen Stadt, beim heutigen Münsterplatz, mit dem Aufbau einer Klosteranlage. Nach ihnen siedelten sich 1281 die Dominikaner4 unmittelbar östlich vor der Stauferstadt an und wurden dann 1316 im Zuge der Stadterweiterung in den Mauerring aufgenommen. Zahlreiche Stiftungen belegen die enge Verbundenheit der Ulmer Bürgerschaft mit den beiden Bettelkonventen und deren seelsorgerlichem Angebot.
Zunehmender Wohlstand der Konvente, Abweichungen von den Ordensregeln und die Vernachlässigung religiöser Pflichten führten um die Mitte des 15. Jhs. zum Ruf nach Reformen, die bei den Dominikaner (1465) und bei den Franziskaner (1483) im Zusammenwirken von geistlichen Reformkräften und dem Ulmer Rat durchgeführt wurden5.
Zur franziskanischen Ordensfamilie in Ulm gehörten die Franziskanerterziarinnen, die sich nach einem chronikalischen Bericht bereits 1230 in Ulm niedergelassen haben sollen. Den Schwestern, nach ihrer gemeinsamen Wohnung, der „Sammlung“, als "Sammlungsschwestern"6 bezeichnet, gelang es in den folgenden Jahrhunderten – nicht zuletzt durch Aufnahme vermögender Ulmer Bürgertöchter – umfangreiche Besitzungen zu erwerben und ein beträchtliches Vermögen zu erwirtschaften, das von zwei durch den Ulmer Rat bestellte Pfleger verwaltet wurde. Ebenfalls zu den Terziarinnen gehörten die "Regelschwestern beim Hirschbad", deren Ordenshaus wohl eine Stiftung der Adelheid von Sulmentingen aus dem Jahr 1393 ist7. Die Schwestern – 1516 ins Ulmer Bürgerrecht aufgenommen – widmeten sich vornehmlich der Krankenpflege.

Nach Einführung der Reformation mussten Franziskaner und Dominikaner 1531 die Stadt verlassen. In die Gebäude des Franziskanerklosters zog 1531 das Ulmer Gymnasium, und das Sammlungsstift wurde 1536 zu einem evangelischen Damstift umgewandelt. Bestand hatten allein dank ihrer reichsunmittelbaren Stellung die Deutschordenskommende und das Augustinerchorherrenstift St. Michael zu den Wengen, dessen 1531 erfolgte Übergabe an den Rat der energische Propst Kaut 1549 im Gefolge des Interims wieder endgültig rückgängig machen konnte. Deutschordenkommende wie auch Wengenstift mussten sich allerdings in den folgenden Jahrhunderten bis zu ihrer endgültigen Aufhebung 1803 (Wengenstift) bzw. 1806 (Deutschordenskommende) zahlreiche Einschränkungen in Seelsorge, Gottesdienst und Predigt gefallen lassen8. Anders als bei dem durch seine Reichsunmittelbarkeit abgesicherten Deutschordenshaus konnte der Ulmer Rat seinen Einfluss auf das Wengenstift ausbauen. Dazu zählte die jährliche Rechnungsprüfung ebenso wie das Mitspracherecht des Ulmer Rats bei der Propstwahl. Spannungen und Auseinandersetzungen konnten daher nicht ausbleiben.

Das gilt auch für die Beziehungen der Stadt zu den beiden vor den Toren liegenden Klöstern, dem 1093 gegründeten Benediktinerkloster Wiblingen9 (seit 1701 vorderösterreichischer Landstand) und dem Klarissenkloster Söflingen 10, dessen Geschichte 1237 in Ulm begann, ehe die Schwestern 1258 nach Söflingen zogen und dort ihre Selbstständigkeit (seit 1775 freier Kreis- und Reichsstand) gegenüber der Reichsstadt Ulm bis zu ihrer Aufhebung 1802/03 behaupten konnten.

1: siehe Specker, Hans Eugen, Das Augustinerchorherrenstift St. Michael zu den Wengen (1183 - 1549). Mit einem Anhang : Die Liste der Pröpste (1183 - 1803), in: Hans Eugen Specker und Hermann Tüchle (Hrsg.), Kirchen und Klöster in Ulm, Ulm 1979, S. 49 - 88.
2: siehe Specker, Hans Eugen, Die Kommende des Deutschen Ordens bis zur Reformation, in: ebd., S. 89 - 102; siehe Greiner, Hans, Das Deutschordenshaus Ulm im Wandel der Jahrhunderte, in: UO 22 (1922).
3: siehe Frank, Isnard W., Franziskaner und Dominikaner im vorreformatorischen Ulm, in: Eugen Specker und Hermann Tüchle ( Hrsg.), Kirchen und Klöster Ulm 1979, S. 103 - 147.
4: Ebd.
5: siehe Geiger, Gottfried, Die Reichsstadt Ulm vor der Reformation. Städtisches und kirchliches Leben am Ausgang des Mittelalters (Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm, Bd. 11), Ulm 1971, S. 92 - 104.
6: siehe Greiner, Hans, Aus der 600 jährigen Vergangenheit der Sammlung in Ulm, in: UO 24 (1925), S. 76 -112; siehe Frank, Karl Suso, Die Franziskanerterziarinnen in der Ulmer Sammlung, in: Hans Eugen Specker und Hermann Tüchle (Hrsg.), Kirchen und Klöster in Ulm 1979, S. 148 - 162; siehe Schulz, Ilse, Schwestern, Beginen und Meisterinnen, Ulm 1992; siehe Schulz, Ilse, Verwehte Spuren. Frauen in der Stadtgeschichte, Ulm 1998, S. 17 - 44.
7: siehe Frank, Franziskanerterziarinnen; siehe Schulz, Schwestern, Beginen; siehe Schulz, Spuren, S. 51 - 55, 67 -70; siehe Specker, Hans Eugen, Ulm. Stadtgeschichte, Ulm 1977, S. 91 f.; siehe Gatz, Johannes, Ulm: Terziarinnen beim Hirschbad, in: Alemania Franciscana, Bd. 2, Landshut 1958, S. 41 - 47.
8: siehe Lang, Peter, Die Ulmer Katholiken zwischen Reformation und Mediatisierung, in: Kirchen und Köster in Ulm (hrsg. von Hans Eugen Specker und Hermann Tüchle), ulm 1979, S. 244 ff.
9: siehe Braig, Michael, Wiblingen. Kurze Geschichte der ehemaligen vorderösterreichischen Benediktinerabtei in Schwaben, Isny 1834, Neudr. Weißenhorn 2001 (Alb - Donau Kreis - Kunst und Kultur, Bd. 29); siehe Eberl, Immo, Wiblingen, in: Germania Benedictina, Bd. 5: Die Benediktinerklöster in Baden Württemberg, Augsburg 1975, S. 652 -666.
10: siehe Frank, Karl Suso, Das Klarissenkloster Söflingen (Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm, Bd. 20), Ulm 1980.

A.s.1. Augustinerchorherrenstift St. Michael zu den Wengen
A.s.2. Deutschordenskommende
A.s.3. Franziskanerkloster
A.s.4. Dominikanerkloster
A.s.5. Sammlung
A.s.6. Hirschbadschwestern
A.s.7. Klarissenkloster Söflingen
A.s.8. Benediktinerkloster Wiblingen
A.s.9. Klosterhöfe