Stadtarchiv Ulm

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A.t. Hospitalamt und Wohlfahrtspflege

Laufzeit: (1226 -) 1370 - 19321
Umfang: 30,2 lfm mit 1587 Einheiten
Findmittel: Bandrepertorium (A Rep Bd. 16 und 17) und Datenbank
Signaturen: Der Bestand wurde bei der Rückführung nach kriegsbedingter Verlagerung, während der die Ordnung gestört wurde, nach Numerus currens aufgenommen. Eine Auflistung der Springnummern erschien nicht sinnvoll. Hinweise auf die vorläufigen Signaturen einzelner Faszikel finden sich in der Inhaltsbeschreibung.
Verweis: Urkunden vgl. A.a. Reichsstädtische Urkundenüberlieferung; Unterlagen der Hospitalverwaltung aus dem 19. und beginnenden 20. Jahrhundert vgl. B.e.4. Hospital

Kurzbeschreibung2

In einem Schutzbrief Konrads IV. von 1240 wird erstmals das Heiliggeistspital erwähnt und als Gründung der Ulmer Bürgerschaft bezeichnet. Träger waren die Brüder vom Orden des Heiligen Geistes. 1297 wurde das Spital durch einen Brand zerstört und in den folgenden Jahren durch Spenden, die mit einem päpstlichen Ablass belohnt wurden, wiederaufgebaut. Seit dem 14. Jahrhundert flossen dem Spital zahlreiche Stiftungen von Bürgern zu. Der Rat nützte dies dazu, Einfluss auf das Spital zu gewinnen. Für die weltliche Verwaltung wurden zwei Spitalpfleger bestellt und diesen 1437 ein ebenfalls vom Rat ernannter Hofmeister übergeordnet. Der auf geistliche Aufgaben beschränkte Spitalmeister wurde nach der am 27. April 1433 mit einer päpstlichen Kommission getroffenen Übereinkunft vom Rat gewählt und vom Propst des Augustinerchorherrenstifts unter Verpflichtung auf die Augustinerregel investiert3. 1531 wurde im Spital die Reformation eingeführt und das Amt des geistlichen Spitalmeisters abgeschafft. Im Zuge der Ausbildung von reichsstädtischen Ämtern, die sich seit dem späten 15. und beginnenden 16. Jahrhundert aus Ratsausschüssen entwickelten, entstand auch das Hospitalamt, das von einem patrizischen Oberrichter und einem zünftigen Mitglied des Geheimen Rats geleitet wurde. Die büromäßigen Geschäfte besorgten neben dem Hofmeister, der zugleich Amtmann der dem Spital gehörenden Dörfer war, der Amtsschreiber und ein Gegenschreiber4.
Neben Kranken konnten seit dem 14. Jahrhundert auch Pfründner gegen eine einmalige, den jeweiligen Verhältnissen angepasste Einlage aufgenommen werden. Die Unterbringung im Spital erfolgte getrennt nach Bedürftigen und Pfründnern.
In ähnlicher Weise wie beim Heiliggeistspital sicherte sich die Stadt auch bei anderen geistlichen Institutionen und kirchlichen Wohlfahrtseinrichtungen ein Mitspracherecht auf die Vermögensverwaltung durch die Bestellung städtischer Pfleger. Dazu gehörten das Spital der Reichen Siechen zu St. Katharina5, ein 1246 erstmals urkundlich erwähntes Leprosenhaus, das Spital der Armen Siechen zu St. Leonhard und das Funden- und Waisenhaus. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurden diese Institutionen unter die Verwaltung des Heiliggeistspitals gestellt, ihr Vermögen aber weiterhin als Sondervermögen ausgewiesen. Außer diesen ursprünglich kirchlichen Wohlfahrtseinrichtungen gab es auch städtische Gründungen wie das 1495 für Syphiliskranke errichtete Seelhaus oder das vermutlich nur in Zeiten der Pest benutzte Brechenhaus, die jedoch ebenfalls in der Verwaltung des Spitals standen.

Zuständig für die Überwachung des fahrenden Volkes und die Fürsorge für die Armen waren seit dem Spätmittelalter zwei aus der Mitte des Rats gewählte "Bettelherren", in deren Verwaltung auch der seit dem Ende des 15. Jahrhunderts existierende Gemeine Bettelsäckel stand6. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde das Bettelwesen durch Verordnungen neu geregelt und dafür zu Stiftungen aufgerufen. Mit der Almosenordnung vom 26. Juni 1508 und der Stiftung des Goldenen Almosens, in dem der bisherige Bettelsäckel aufging, begann eine städtische obrigkeitliche Fürsorge. Nach einer Almosenordnung vom 3. April 1528 wurde die Verwaltung und Verteilung der Almosen 13 Bettelherren, von denen fünf aus dem Rat und acht von außerhalb des Rats bestimmt wurden und die zusammen das "Bürgerliche Almosenkastenamt" bildeten, übertragen. Zur Unterstützung auswärtiger Hilfsbedürftiger wurde 1617 der "Fremde Almosenkasten" eingerichtet.

1: Die späten Laufzeiten bis in das 20.Jahrhundert rühren vor allem von den Stiftungsakten her, die über mehrere Jahrhunderte fortgeführt wurden. Zur Überlieferung und Ordnung der Stiftungsakten siehe dazu die Einführung zu diesem Band.
2: siehe dazu Präambel zur Satzung der Hospitalstiftung Ulm vom 25. April 1979 in der Fassung vom 20. Juni 1984; siehe Greiner, Johannes, Geschichte des Ulmer Spitals im Mittelalter, in: WVjh. N.F. 16 (1907), S. 78 - 156; siehe Seiz, Anneliese, Vom mittelalterlichen Spital zum modernen Krankenhaus, in: Ulmer Stadtgeschichte, hrsg. von der Ulmer Volksbank, Heft 25, Ulm 1991.
3: siehe Specker, Hans Eugen, Stadtgeschichte, S. 100.
4: siehe Neusser, Gerhard, Territorium, S. 63.
5: siehe Muschel, Heinz, Das Spital der Reichen Siechen zu St. Katharina in Ulm. Eine rechtsgeschichtliche Untersuchung zur Inkorporation von Wohlfahrtsanstalten durch die Reichsstadt im ausgehenden Mittelalter (Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm, Bd. 5), Ulm 1965.
6: siehe Specker, Hans Eugen, Stadtgeschichte, S. 105 f.

A.t.1. Hospital
A.t.2. Spital der Reichen Siechen zu St. Katharina
A.t.3. Spital der Armen Siechen zu St. Leonhard
A.t.4. Funden- und Waisenhaus
A.t.5. Seelhaus1
A.t.6. Brechhaus (auch Brechenhaus)
A.t.7. Spital St. Nikolaus bei Hörvelsingen1
A.t.8. Armenfürsorge