Stadtarchiv Ulm

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A.u. Gesundheitswesen, Collegium Medicum und Bestattungen

Laufzeit: 1420 - 1827
Umfang: 1,4 lfm mit 125 Einheiten
Findmittel: Bandrepertorium (A Rep Bd. 17) und Datenbank
Signaturen: Der Bestand wurde bei der Rückführung nach kriegsbedingter Verlagerung, während der die Ordnung gestört wurde, nach Numerus currens aufgenommen. Eine Auflistung der Springnummern erschien nicht sinnvoll. Hinweise auf die vorläufigen Signaturen einzelner Faszikel finden sich in der Inhaltsbeschreibung.

Kurzbeschreibung1

Die medizinische Betreuung der Bevölkerung oblag - neben den in der Baderzunft organisierten Wundärzten und Chirurgen - an Universitäten ausgebildeten Stadtärzten, deren Aufgaben seit dem 15. Jahrhundert durch Medizinalordnungen geregelt waren. Von der Stadt erhielten sie eine jährliche Besoldung als eine Art Pauschale für die Behandlung mittelloser Kranker und das Privileg der Steuerbefreiung. An die Stelle bisheriger Verträge zwischen Rat und Stadtärzten trat seit 1533 eine im Eid- und Ordnungsbuch auf dem Steueramt bestätigte eidliche Verpflichtung. Unter den Stadtärzten trat als erster und für lange Zeit einziger Wundarzt mit akademischer Ausbildung Johannes Scultetus, dessen chirurgisches Lehrbuch 1666 in deutscher Übersetzung erschien2, hervor. Als Vertretung der in städtischen Diensten stehenden Ärzte fungierte das "Collegium Medicum", das Ende des 18. Jahrhundert aus sieben Mitgliedern bestand. Oberste Instanz war der Senior des Collegiums, der auch Pestilentiarius war, die übrigen versahen besondere Aufgaben: Ein Arzt war mit dem Hospital betraut, ein weiterer mit der Garnison und je ein Arzt war für die Obere und Untere Herrschaft zuständig. Vor dem Collegium medicum mussten auch die Apotheker ihre Prüfung, die Voraussetzung für die Beeidigung war, ablegen. Regelmäßige Apothekenvisitationen wurden ebenfalls vom Collegium Medicum durchgeführt.
Hebammen3 lassen sich sind in Ulm erst mit der Hebammenordnung von 1491, die auf Anforderung des Rats von den Stadtärzten Johannes Jung, Johannes Münsinger und Johannes Stocker erarbeitet wurde, nachweisen. Die Ordnung verlangte zur Ausübung des Berufs eine Ausbildung und Prüfung, die vor einer erfahrenen Hebamme (seit dem 16. Jahrhundert als "Oberhändige Frau" bezeichnet) und einem Pfarrer, der religiöse Kenntnisse und die Fähigkeit zur Vornahme von Nottaufen prüfte, abgelegt wurde. In einer erweiterten Ordnung von 1687 wurden die Oberhändigen Frauen im Gelübde, das sie vor ihrer Amtsernennung zu leisten hatten, ausdrücklich verpflichtet, ihren Aufsichts- und Lehrpflichten nachzukommen. Ab dem 18. Jahrhundert übernahmen die Stadtärzte diese Leitungsfunktionen.

1: siehe Specker, Hans Eugen, Stadtgeschichte, S. 103 f.; siehe Seiz, Anneliese, Vom mittelalterlichen Spital zum modernen Krankenhaus, S. 8; siehe Neusser, Gerhard, Das Territorium der Reichsstadt Ulm, S.67; siehe Klemm, Hermann, Die rechtliche und sociale Stellung der Ärzte in der Reichsstadt Ulm, in: UO 26 (1929), S. 3 ff.
2: siehe Scultetus, Johannes, Wund-artzneyisches Zeug-Hauß (Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm, Bd. 14), Ulm 1974. Faksimileausgabe
3: siehe Schulz, Ilse, Verwehte Spuren, S. 57 ff.; siehe Schulz, Ilse, Schwestern, Beginen, Meisterinnen, S. 163 ff.

A.u.1. Collegium Medicum und Medizinalordnungen
A.u.2. Medizinisches Personal
A.u.3. Verordnungen und Maßnahmen gegen ansteckende Krankheiten und Epidemien
A.u.4. Anfertigung von Beinprothesen
A.u.5. Apotheken
A.u.6. Badeanstalten
A.u.7. Friedhöfe und Beerdigungen
A.u.8. Kleemeister und Scharfrichter
A.u.9. Maßnahmen gegen Viehseuchen