Stadtarchiv Ulm

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A.v. Bau- und Holzamt

Laufzeit: 1356 - 1872
Umfang: 12,5 lfm mit 512 Einheiten
Findmittel: Bandrepertorium (A Rep Bd. 11) und Datenbank
Signaturen: Der Bestand wurde bei der Rückführung nach kriegsbedingter Verlagerung, während der die Ordnung gestört wurde, nach numerus currens aufgenommen. Eine Auflistung der Springnummern erschien nicht sinnvoll. Hinweise auf die vorläufigen Signaturen einzelner Faszikel finden sich in der Inhaltsbeschreibung.

Kurzbeschreibung:

Die Zuständigkeit des reichsstädtischen Bau- und Holzamts1 erstreckte sich auf Baurecht und Baupolizei, Bau und Verwaltung städtischer Gebäude, öffentlicher Einrichtungen und der Befestigungsanlagen, ferner auf Bau und Unterhalt von Straßen, Wegen und Brücken. Aus diesen Aufgaben erwuchs zugleich die Zuständigkeit für Feuerpolizei, Lösch- und Brandversicherungswesen, die Aufsicht über die Feldordnung, die Ausübung des Wasserrechts, die Wasserversorgung und die Reinigung der Wassergräben.

Vom Rat erlassene und seit 1427 separat herausgegebene Bauordnungen stellten die Grundlage der baurechtlichen Kompetenz des Bau- und Holzamts dar2. Beim Vollzug dieser Aufgabe entstand ein umfangreicher, durch Kriegsverluste teilweise dezimierter Bestand an Bauplänen und Konstruktionszeichnungen3. Darüber hinaus oblag der Behörde mit der Ziegelschau auch die Qualitätsüberwachung der Baumaterialienherstellung4. An der Spitze des Bau- und Holzamts standen ein patrizischer und ein bürgerlicher Ratsherr als "Bauherrn", unter denen der Stadtbaumeister als technischer Sachverständiger wirkte.

Dem Bau- und Holzamt unterstellt war unter anderem der anhand von Urkundenregesten erstmals 1433 nachweisbare städtische Werkhof5, in dessen Zuständigkeit im wesentlichen der Bau- und Unterhalt öffentlicher Einrichtungen6 und Verkehrswege sowie die Lagerhaltung des Baugeräts und der Baumaterialien lag.

Vom Rat berufene "Feuergeschworene" übten die Feuerpolizei aus. Einzelne Artikel zum Feuerlöschwesen waren bereits im "Roten Buch" enthalten, der frühesten reichsstädtischen Gesetzessammlung aus dem ausgehenden 14. Jahrhundert. Seit 1476 erlassene Feuer- und Feuerlöschordnungen regelten unter anderem die Anschaffung von Ausrüstungsgegenständen und die Beteiligung der Einwohnerschaft an der Brandbekämpfung7.

Sog. "Wassergeschworene", die sich zunächst aus zwei Ratsmitgliedern und dem Brunnenmeister zusammensetzten8, wachten über die Einhaltung des Wasserrechts. Sie beaufsichtigten die Wasserbauten und die für die Nutzung der Wasserkraft ausschlaggebende Wasserverteilung. Da die Strömungsverhältnisse von Donau und Iller nahezu keinerlei Nutzungsmöglichkeiten boten, bezog sich ihre Tätigkeit vor allem auf die Blau als die bedeutendste Energiequelle für den Betrieb von Mühlen und gewerblichen Anlagen. Bezüglich der Trinkwasserversorgung waren die Wassergeschworenen unter anderem für die Überprüfung der Leitungen und für Eichgeschäfte zuständig.

Aus der Zuständigkeit für die Wasserversorgung erwuchs auch die Aufsicht des Bau- und Holzamts über die seit 1562 erfolgte Einrichtung von Brunnenwerken, die unter anderem private Hausanschlüsse ermöglichten9. Die Taxen für den Bezug des Leitungswassers hatte der Rat in "Wasserordnungen" festgelegt, von denen die erste aus dem Jahre 1564 überliefert ist 10. Die Aufsicht über die Brunnenwerke war dem Stadtwerkmeister übertragen, bis 1581 das Amt des auf Lebenszeit ernannten Brunnenmeisters geschaffen wurde 11.

1: siehe Rothe, Kurt, Das Finanzwesen der Reichsstadt Ulm im 18. Jahrhundert (Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm, Bd. 21), Ulm 1991, 77 ff.
2: StA Ulm, U 6595.
3: siehe Schmidt, Uwe (Bearb.), Technikgeschichte der Reichsstadt Ulm. Sachthematisches Inventar (Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm: Reihe Dokumentation, Bd. 9), Ulm 1995, 82 ff.
4: StA Ulm, A [3348].
5: StA Ulm, A [3431]. Die in den Quellen häufig auch als "Herrenwerk" bezeichnete Einrichtung bestand aus einem vorderen und hinteren Werkhof: siehe dazu StA Ulm, A [289] und siehe Rothe, Kurt, Finanzwesen, 77. Dem Bau- und Holzamt unterstanden ferner unter anderem das Eisenhaus, der Kohlenstadel, der Sägehof und der Ziegelstadel: Ebd., 77 ff.
6: Überblicke über öffentliche Gebäude siehe Ulm. Historische Bausubstanz (hrsg. im Auftrag der Stadt Ulm vom Architekturbüro Schäfer-Becker-Guther), Ulm 1975, sowie siehe Koepf, Hans, Ulmer Profanbauten. Ein Bildinventar (Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm: Reihe Dokumentation, Bd. 4), Ulm 1982.
7: siehe Freiwillige Feuerwehr Ulm. 150 Jahre. Festschrift (hrsg. von der Feuerwehr Ulm, Abteilung Ulm-Innenstadt), Ulm 1997, 45 ff.
8: Ende des 18. Jahrhunderts setzten sich die Wassergeschworenen aus zwei Ratsangehörigen, dem Stadtwerks- und Brunnenmeister, dem Stadtfischer und zwei weiteren Fachkundigen zusammen. siehe Haid, Johann Herkules, Ulm mit seinem Gebiete, Ulm 1786, 296 und siehe Haug, Albert, Die Mühlen der Stadt Ulm (Mühlenatlas Baden-Württemberg, Bd. 1), Remshalden-Buoch 1994, 14 ff.
9: Zur Lage der "gemeinen" und privaten Wasseranschlüsse siehe Specker, Hans Eugen, (Bearb.), Ulm (Deutscher Städteatlas, Lieferung 3, Nr. 9), Altenbeken 1984, Tafel 2.
10: StA Ulm, A 3530, Bd. 29: Ratsprotokoll vom 25.5.1564. Als Abdruck siehe Kromer, Max, Wasser in jedwedes Bürgers Haus. Die Trinkwasserversorgung, historisch verfolgt und dargestellt am Beispiel der ehemals Freien Reichsstadt Ulm, Frankfurt/Berlin 1962, 131 f.
11: siehe Haug, Albert, und Uwe Schmidt, Teichel, Pumpen, Brunnen. Ulmer Trinkwasser in Spiegel von sechs Jahrhunderten, Ulm 1998, S. 24.

A.v.1. Ordnungen und Organisation des Bauwesens
A.v.2. Städtischer Werkhof
A.v.3. Bau, Unterhalt und Verwaltung städtischer Gebäude und öffentlicher Einrichtungen
A.v.4. Straßen, Wege und Brücken: Ordnungen, Bau und Unterhalt
A.v.5. Anwendung des Baurechts
A.v.6. Feuerpolizei, Lösch- und Brandversicherungswesen
A.v.7. Aufsicht über Feld und Flur
A.v.8. Ausübung des Wasserrechts, Wasserver- und Abwasserentsorgung, Mühlen
A.v.9. Wasser- und Uferbauten