Stadtarchiv Ulm

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B.e.4. Hospital

Laufzeit: 1700 - 1960
Umfang: 13,5 lfm mit ungefähr 985 Einheiten
Findmittel: Kartei und Datenbank
Signaturen: B 951/4 - B 951/49
Verweise: Zur Unterstützung von Bedürftigen, Alten und Kranken vgl. B.e.1. Fürsorge und Sozialwesen und vgl. B.e.5. Gesundheitswesen. Grundvermögen der Hospitalstiftung vgl. B.h.1. Grundvermögen von Stadt und Hospitalstiftung. Zu den Protokollen des Stiftungsrats vgl. B.d.4.1.2. . Die Stiftungsratsprotokolle in Angelegenheiten des Hospitals finden seit 1873 ihre Fortsetzung in den Protokollen der Ortsarmenbehörde, vgl. B.e.1.1. . Für die Pläne über den Grundbesitz der Hospitalstiftung auf heute württembergischem und bayerischem Gebiet vom 17. bis Mitte 19. Jahrhundert vgl. F.b.3.2.

Kurzbeschreibung1

Der Bestand "Hospital" ist zum größten Teil in der Registratur der Hospitalverwaltung erwachsen und gelangte nach Auflösung einer eigenständigen Hospitalverwaltung 1919 vermutlich über die Nachfolgebehörden Liegenschaftsamt (Verwaltung hospitalischen Grundbesitzes und Vermögens) und Fürsorgeamt (Betrieb der Spitaleinrichtungen und Verwendung der Erträge der Hospitalstiftung) an das Stadtarchiv.

Die Hospitalverwaltung des 19. Jahrhunderts geht auf das Heilig-Geist-Spital zurück, das von der Ulmer Bürgerschaft gegründet und 1240 erstmals urkundlich erwähnt wurde2.

Nach den landeseinheitlichen Bestimmungen des III. Edikts über die Verwaltung der Stiftungen vom 31. Dezember 1818 und des Verwaltungsedikts vom 1. März 1822 wurde das Vermögen des Heilig-Geist-Spitals, des Bürgerlichen und Fremden Almosenkastens in die "Hospitalstiftung Ulm" mit eigener "Hospitalverwaltung" überführt und diese unter Aufsicht des Stiftungsrats mit der gesamten öffentlichen Armenfürsorge der Stadt betraut. Die Hospitalstiftung unterhielt auch das Bürgerhospital, das gleichzeitig als Altersheim und Krankenhaus genutzt wurde, und das auf Initiative von Königin Katharina 1817 gegründete "Katharineninstitut", das in der Nachfolge des 1811 aufgehobenen Funden- und Waisenhauses stand und annähernd hundert Knaben und Mädchen aufnahm und verpflegte. In der angeschlossenen Katharinenschule erhielten die Kinder Schulunterricht und wurden gleichzeitig zu leichten gewerblichen Arbeiten angehalten (Industrieschule). Die Hospitalstiftung trug auch zu den in den Hungerjahren 1816 und 1817 eingerichteten Rumfordschen Suppenanstalten bei. 1851 entstand ebenfalls in Trägerschaft der Hospitalstiftung das Dienstbotenkrankenhaus, das im Gegensatz zum allgemeinen Krankenhaus des Bürgerhospitals nur Mitglieder der Dienstbotenkrankenkasse aufnahm. 1891 wurden beide Einrichtungen zum Stadtkrankenhaus vereinigt, das 1912 vom Spitalkomplex an der Adlerbastei in das neue Gebäude am Safranberg umzog.

Aufgrund des Unterstützungswohnsitzgesetzes vom 6. Juni 1870 wurde die Armenfürsorge zur öffentlichen Aufgabe erklärt und eine Ortsarmenbehörde3 eingerichtet. Ein am 17. April 1873 ergangenes Ausführungsdekret zum Unterstützungswohnsitzgesetz erkannte den "kommunalen Charakter des Hospitals" an und stimmte damit der künftigen Verwendung der Hospitalstiftung für Zwecke der öffentlichen Armen- und Krankenfürsorge unter der Verfügungsgewalt der Ortsarmenbehörde mit Wirkung ab 1. Januar 1876 zu. Der finanzielle Aufwand für die Fürsorge wurde aber nach wie vor im Haushalt der Hospitalstiftung veranschlagt, und erst als die steigenden Kosten für die Fürsorge aus den Einkünften der Hospitalstiftung nicht mehr gedeckt werden konnten, übernahm die Stadt seit dem letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts das Defizit.

Unter der Aufsicht der Ortsarmenbehörde stand auch die 1893 im Armenhaus (ehemaliges reichsstädtisches Brechhaus) in der heutigen Oststadt eingerichtete Armenbeschäftigungs- und Bewahranstalt Niederländer Hof, die bis zu 50 Personen aufnehmen konnte, welche wegen Gebrechlichkeit ihren Lebensunterhalt nicht mehr selbst verdienen konnten, obdachlos geworden oder mit "Arbeitszwang" belegt waren.

Durch Gemeinderatsbeschluß vom 4. August 1919 wurde die Hospitalverwaltung aufgehoben. Die Verwaltung des beträchtlichen hospitalitischen Grundvermögens, das bis heute als Sondervermögen geführt wird und dessen Erträge gemäß "dem bisherigen Stiftungszweck der Fürsorge für Arme und Kranke"2 zufließen müssen, wurde dem städtischen Liegenschaftsamt übertragen, während das damals neu geschaffene Fürsorgeamt fortan den Ertrag des Vermögens ebenso wie den der übrigen Stiftungen für den Betrieb der Spitaleinrichtungen und andere soziale Aufgaben heranzog.

1: Zur Sozialpolitik siehe Jans, Hans-Peter, Sozialpolitik und Wohlfahrtspflege in Ulm 1870 - 1930 (Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm, Bd. 25), Ulm 1994.
2: Reichsstädtische Überlieferung zum Hospital vgl. A.t. Hospitalamt und Wohlfahrtspflege
3: Die Ortsarmenbehörde setzte sich aus dem Stiftungsrat (= Gemeinderat mit Oberbürgermeister und dem evangelischen Dekan) und dem ersten katholischen Pfarrer zusammen.
4: siehe dazu Satzung der Hospitalstiftung vom 25. April 1979 in der Fassung vom 20. Juni 1984.

B.e.4.1. Allgemeine Verwaltung und Vermögensverwaltung
B.e.4.2. Krankenanstalten
B.e.4.3. Armenfürsorge