Stadtarchiv Ulm

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B.g.1. Wirtschafts- und Verkehrswesen, Versorgung der Bevölkerung und Arbeitsverwaltung

Laufzeit: 1810 - 1995
Umfang: Ungefähr 95 lfm mit ungefähr 10.250 Einheiten
Findmittel: Kartei, Datenbank für die verzeichneten Unterlagen, sonst Ablieferungslisten
Signaturen: B 121, B 126, B 361/155, B 660/5, B 721 - 724, B 747, B 76 - 78

Kurzbeschreibung:

Der Bestand umfasst die Gewerbe-, Markt- und Preisaufsicht, die Förderung des Handwerks, des Handels, der Industrie, des Verkehrs und der Land- und Fortwirtschaft sowie die Bereiche Lebensmittelversorgung, Bewirtschaftung und Arbeitsverwaltung.

Die Gewerbeaufsicht wurde von mehreren Stellen wahrgenommen, wobei die wichtigsten Zuständigkeiten beim Stadtpolizeiamt angesiedelt waren. So wurden Gewerbeanmeldungen z. B. Ausgangs des 19. Jahrhunderts bei der Stadtpflege bearbeitet. Die Vorbereitung der Anträge auf Gewährung von Gaststättenkonzessionen oblag dem Stadtpolizeiamt, während sich das staatliche Oberamt die Entscheidung über die Genehmigung der Anträge vorbehielt.
Bei der 1923 vollzogenen Trennung zwischen städtischem und staatlichem Polizeiamt (vgl. B.c.2. Kommunale Vollzugs- und Kriminalpolizei) verblieb die Gewerbeaufsicht bei der Kommune. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde diese Zuständigkeit dem Gewerbeamt übertragen, das 1949 in das neugeschaffene Amt für öffentliche Ordnung integriert wurde. Seit Anfang 1998 ist die Gewerbeaufsicht dem Verwaltungsbereich Bürgerdienste zugeordnet.

Die Preisaufsicht lag zunächst bei der städtischen Polizei. Die Trennung zwischen staatlicher und kommunaler Polizeiverwaltung im Jahre 1923 führte bei beiden Trägern zur Einrichtung eigener Preisüberwachungsstellen, wobei die Kommune v. a. die Grundstücks-, Miet- und Pachtpreise und das Land die Güter des täglichen Bedarfs überwachte. Die Kommunalisierung der Polizeiverwaltung im Jahre 1945 hatte zur Folge, dass die Kompetenzen und das Schriftgut der beiden Preisüberwachungsstellen bei der Stadtverwaltung vereinigt wurden. 1949 wurde die Preisüberwachungsbehörde in das neugeschaffene Amt für öffentliche Ordnung integriert, wo sie bis zu ihrer Auflösung Ende der 1950er Jahre verblieb.

Die Zuständigkeit für die Marktaufsicht lag in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bei einzelnen Stadträten und ging 1860 bzw. 18651 mit der Einrichtung der Kornhaus- bzw. Schranneninspektion an städtische Beamte über. Die in der Folgezeit mit der Oberaufsicht des Schrannen- und Marktwesens betraute Stadtpflege gab die Kompetenz 1919 an das neugeschaffene Liegenschaftsamt ab. Seit 1998 ist diese Zuständigkeit bei der Abteilung Liegenschaften und Wirtschaftsförderung angesiedelt.

Die Noterfahrungen des Ersten Weltkriegs veranlassten den Oberbürgermeister 1919 zur Einrichtung des Lebensmittelamts, das - ähnlich wie das später geschaffene Brennstoffamt und die Brotkartenstelle - nur wenige Jahre existierte. Auf Reichsanordnung musste unmittelbar vor Kriegsbeginn im Spätsommer 1939 ein Ernährungs- und Wirtschaftsamt eingerichtet werden, welches bis 1950 tätig war.

Die Überlieferung der bis 1862 bestehenden Zünfte befindet sich im Bestand Reichsstadt (vgl. A.n. Handwerksamt). Das Schriftgut über die nachfolgenden Zusammenschlüsse von Handwerkern (ab 1871 freie Handwerksinnungen, ab 1897 Pflichtinnungen und nach 1933 Zwangsinnungen) ist beim Stadtschultheißen- bzw. Bürgermeisteramt entstanden. Mit der Schaffung des Wirtschaftsamts entstand erstmals 1919 eine eigene Verwaltungsabteilung zur Förderung der gewerblichen Wirtschaft. Diese Zuständigkeit wurde spätestens 1925 dem Stadtschultheißen- bzw. Bürgermeisteramt als Wirtschaftsreferat zugeschlagen. Seit 1949 unterstand die Wirtschaftsverwaltung der Leitung eines Bürgermeisters, 1998 wurde das Dezernat Wirtschaftsförderung direkt beim Oberbürgermeister angesiedelt.

Das städtische Arbeitsamt wurde 1894 eingerichtet und war zuständig für den öffentlichen Arbeitsnachweis in den Oberämtern Ulm, Blaubeuren und Laupheim. 1928 wurde es in die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung eingegliedert, wobei auch die schriftliche Überlieferung des Amtes aus der städtischen Registratur herausgelöst wurde. Daher handelt es sich bei den vorhandenen Quellen um Akten, die bei anderen Stellen der Stadtverwaltung entstanden sind.

1: Erstmalige Aufführung im Ulmer Adressbuch.

B.g.1.1. Gewerbeaufsicht
B.g.1.2. Preisaufsicht
B.g.1.3. Messen und Märkte
B.g.1.4. Versorgung mit und Bewirtschaftung von Lebensmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs
B.g.1.5. Handel, Handwerk, Industrie und Fremdenverkehr
B.g.1.6. Land- und Forstwirtschaft, Obst- und Gartenbau
B.g.1.7. Währungs- und Bankenwesen
B.g.1.8. Verkehrs- und Postwesen
B.g.1.9. Arbeitsverwaltung, Notstandsarbeiten und Verpflichtungen zum Arbeitseinsatz