Stadtarchiv Ulm

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B.g.2. Wirtschaftliche Unternehmen und Beteiligungsgesellschaften der Stadt

Laufzeit: 1777 - ungefähr 1993
Umfang: 52 lfm mit ungefähr 1890 Einheiten
Findmittel: Kartei, Datenbank und Ablieferungslisten
Signaturen: B 660/60, B 726, B 800/00 - B 883
Verweis: Weitere Unterlagen über die Stadtwerke vgl. H.b.39. Handakten Dr. Stuber: H Stuber. Dr. Gerhard Stuber war von 1957 bis 1972 kaufmännischer Werkleiter der Stadtwerke, 1. Bürgermeister der Stadt Ulm 1972 - 1984 und von 1984 bis 1991 1. Werkleiter der Stadtwerke Ulm. Zu den Unterlagen der Sanierungstreuhand (SAN) und der Ulmer Wohnungs- und Siedlungs GmbH (UWS) vgl. B.f.1.2.4.1. Sanierung bzw. vgl. B.f.1.3.2. Wohnungsbau; städtische Markt- und Messehallen (Max-Eyth-Halle und Donauhalle) vgl. B.g.1.3. Messen und Märkte

Kurzbeschreibung:

Der Bestand enthält Unterlagen über die wirtschaftliche Betätigung der Stadt Ulm. Dazu gehören:

Gaswerk:
Am 1. Dezember 1857 nahm das städtische Ulmer Gaswerk die Erzeugung von Gas auf. Als Rohstoffbasis diente zunächst Holz, ab 1864 Steinkohle. 1961 gründeten mehrere baden-württembergische Städte die Gasversorgung Süddeutschland GmbH (GVS) mit Sitz in Stuttgart, an der die Stadt Ulm mit drei Prozent am Stammkapital beteiligt war. Ziel der Gesellschaft war der Aufbau einer Ferngasversorgung in Baden-Württemberg. Nach dem Bau der Leitung Mannheim - Ulm wurde von 1964 an Gas aus Mannheimer Raffinerien bezogen. Es war preisgünstiger als das eigenerzeugte Gas. Die vorhandenen Eigenanlagen dienten nur noch der Spitzenabdeckung und als Reserve. 1968/69 fand die Umstellung auf Erdgas statt, das zunächst aus dem Feld Mönchsrot bei Rot in Oberschwaben stammte und seit 1971 sukzessive durch Erdgas aus Norddeutschland, den Niederlanden und der ehemaligen Sowjetunion ersetzt wurde. Die letzten Anlagen zur Gaserzeugung in Ulm wurden 1975 abgebrochen.

Elektrizitätswerk:
1894 beauftragte die Stadt Ulm die Firma Elektrizitäts-Aktiengesellschaft, vormals Schukert & Cie., Nürnberg, mit der Errichtung und dem Betrieb eines Elektrizitätswerks am östlichen Ende der Olgastraße und der Lieferung von Strom aus dem Wasserkraftwerk Illerzell. Nach Probeläufen im November ging die "Dampf-Centrale Olgastraße" am 1. Dezember 1895 voll in Betrieb, die Übertragung von Strom aus dem Kraftwerk Illerzell erfolgte ab 1899. Am 1. April 1905 erwarb die Stadt das Elektrizitätswerk. In den Folgejahren wurden die Wasserkraftkapazitäten an Donau und Iller durch Errichtung weiterer Kraftwerke (z.B. Ludwigsfeld, Wiblingen, Donaustetten) laufend erweitert. 1909 wurde ein Dampfkraftwerk am Bleicher Walk in Betrieb genommen, das die Stadt zum 1. April 1918 an den Bezirksverband Oberschwäbische Elektrizitätswerke (OEW), später Energie-Versorgung Schwaben AG (EVS) veräußerte. Da der Bedarf an elektrischer Energie nach dem Zweiten Weltkrieg zunehmend die Kapazität der Eigenerzeugungsanlagen überstieg, entwickelte sich die EVS zum Haupt-Stromlieferanten für Ulm. Außerdem traten die Stadtwerke 1960 der "Kernkraftwerk Baden-Württemberg Planungsgesellschaft mbH" bei. Die Mitgliedschaft in dieser 1964 in "Kernkraftwerk Obrigheim GmbH" umbenannten Gesellschaft ermöglichte der Stadt seit 1968 den Bezug von Atomstrom aus Obrigheim über das Leitungsnetz der EVS auf Selbstkostenbasis.

Fernwärmeversorgung:
Die Anfänge der Versorgung Ulms mit Fernwärme gehen auf den Beginn der 1950er Jahre zurück; Lieferant der Fernwärme war die EVS. Zum 1. Januar 1973 wurde die "Fernwärme Ulm-Süd GmbH" gegründet, die zu jeweils 50% der EVS und den Stadtwerken gehörte und deren Aufgabe die Versorgung des neu entstehenden Stadtteils Wiblingen war. Zum 1. Juli 1995 wurde die "Fernwärme Ulm-Süd GmbH" in die "Fernwärme Ulm GmbH (FUG)" umgegründet. Die neue Gesellschaft, deren Anteile weiterhin zu gleichen Teilen von Stadtwerken und EVS gehalten werden, erhielt die Konzession zur Versorgung des gesamten Stadtgebietes mit Fernwärme.

Wasserversorgung:
Bereits Anfang des 15. Jahrhunderts bestanden in Ulm zahlreiche Brunnen- und Druckwerke. Die Brunnen versorgten jeweils einen Stadtteil und waren untereinander durch ein Rohrnetz verbunden. Außer diesen Pumpwerken bestanden im 17. Jahrhundert noch 200 Einzelschöpf-, -zieh- und -pumpbrunnen. Die weitere Ausdehnung der Stadt, das Nachlassen der Leistung der Brunnen sowie die Verschlechterung des Trinkwassers durch Verunreinigungen machte es 1873 erforderlich, eine neue zentrale Wasserversorgung einzurichten. Zunächst wurde eine Karstquelle im Weiherbachtal in Herrlingen erschlossen, 1886 bis 1888 wurde eine Karstschüttung im kleinen Lautertal, der sog. "Kalte Brunnen", für die Wasserversorgung nutzbar gemacht. Das Wasser floss über eine gusseiserne Leitung in ein Reservoir im Gaswerk, von wo es auch durch mit Dampfmaschinen betriebene Pumpen in die höher gelegenen Stadtteile befördert wurde. Um diese Zeit entstand auch der Hochbehälter am Michelsberg, der es ermöglichte, das Wasser nicht nur zu den auf der Straße befindlichen Brunnenanlagen, sondern in die einzelnen Häuser zu führen. Die Anlagen reichten nach der Jahrhundertwende nicht mehr aus. Daher wurden weitere Wassergewinnungsmöglichkeiten im Iller-Donau-Dreieck, der sog. "Roten Wand" erschlossen. Hier wurden zusammen mit dem Kraftwerk Wiblingen 1905 bis 1907 Vertikal- oder Schachtbrunnen und ein zentrales Pumpwerk, das bis Anfang der 60er Jahre in Betrieb war, gebaut. Ein neuer Hochbehälter am Mittleren Kuhberg wurde 1907 in Betrieb genommen. Erweiterungen der Wasserversorgung erfolgten 1961 bis 1966 mit dem Bau eines weiteren Horizontalfilterbrunnens im Iller-Donau-Dreieck und der Errichtung neuer Hochbehälter auf dem Eselsberg und im Klosterwald, einer Zwischenpumpstation auf dem Kuhberg und einer Verbindungsleitung vom Kuhberg zum Eselsberg. 1970 beschloss der Gemeinderat den Anschluss Ulms an die Fernwasserversorgung des Zweckverbandes Landeswasserversorgung.

Verkehrsbetriebe:
Am 15. Mai 1897 wurde in Ulm die Straßenbahn in Betrieb genommen, bestehend aus einer Ringlinie Bahnhof-Olgastraße-Münsterplatz-Bahnhof und einer Linie über die Herdbrücke zum Bahnhof Neu-Ulm. Sie wurde zunächst von der Firma Schuckert & Cie, Nürnberg, die sie auch gebaut hatte, betrieben. Sie ging zusammen mit dem Elektrizitätswerk, das den Strom für die Straßenbahn erzeugte, 1905 in den Besitz der Stadt Ulm über. Ergänzt wurde der Personennahverkehr seit dem Zweiten Weltkrieg durch Einrichtung zahlreicher Omnibus- und zeitweise auch Oberleitungsbuslinien.

Sonstige Unternehmen:
Betrieb von Industriegleisanlagen1; Bau und Betrieb von Parkhäusern und Verwaltung der Parkflächen2; Bewirtschaftung von Hofgütern und Waldungen sowie des Schlachthofs3; Verpachtung von Gaststätten und Nutzung von Bodenvorkommen (Steinbrüche, Kiesgruben).

Am 1. April 1938 wurden die Versorgungs- und Verkehrsbetriebe der Stadt Ulm, nämlich das Elektrizitätswerk, Gas- und Wasserwerk und Straßenbahn zu einem einheitlichen Eigenbetrieb unter der Bezeichnung Stadtwerke Ulm (SWU) zusammengefasst. 1939 kamen die bisher beim Tiefbauamt angesiedelten Industriegleisanlagen hinzu. 1982 wurde der Eigenbetrieb in eine GmbH privaten Rechts umgestellt. Neu-Ulm brachte seine Wasserversorgung und Industriegleise als Anteile ein. Seit 1. Januar 1983 gibt es die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm GmbH. Komplettiert wurden sie vollends durch die Übernahme der Stromversorgung Neu-Ulms zum 1. Januar 1984.

1: Die Industriegleisanlagen umfassen das sog. Westgleis (Bau 1907), das Ostgleis (Bau 1910/11) und die Gleise im Industriegebiet Donautal (Inbetriebnahme 1953). Das Ostgleis wurde 1979 stillgelegt und abgebaut, das Westgleis in der Wörth- und Magirusstraße zwischen Blaubrücke und Sedanstraße 1981.
2: Zu diesem Zweck wurde 1969 die Parkbetriebsgesellschaft mbH (PBG) mit der Stadt als alleiniger Geselschafterin gegründet.
3: Der städtische Vieh- und Schlachthof wurde zum 1. November 1999 an die Großschlächterei "Ulmer Fleisch" verkauft. Für die Fortführung der hoheitlichen Aufgaben (Fleischhygiene, Tierschutz, Tierseuchenbekämpfung und Lebensmittelüberwachung) unterhält die Stadt ein Veterinäramt.

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B.g.2.2. Sonstige wirtschaftliche Unternehmen