Stadtarchiv Ulm

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B.h.4. Gebäudebrandversicherung und Versicherungen der Stadt

Laufzeit: 1779 - 1972
Umfang: 14,1 lfm mit 1.135 Einheiten
Findmittel: Kartei, Datenbank für die verzeichneten und Listen für provisorisch erschlossene Unterlagen
Signatur: B 97

Kurzbeschreibung:

Mit der Eingliederung Ulms in das Königreich Württemberg erfolgte 1810 der Zwangsbeitritt der Gebäudeeigentümer in die seit 1773 als staatliches Monopol bestehende Württembergische Gebäudebrandversicherungsanstalt1. In den Jahren 1811 ff. wurden daher sämtliche Gebäude der Stadt inventarisiert und der Befund in eine erste Serie von Schätzungsprotokollen bzw. Gebäudebrandversicherungskatastern übertragen. Diese Bände wurden in den folgenden Jahren aktualisiert, bis durchgreifende Neueinschätzungen des Stadtgebiets - so z. B. 1837/38, 1856/59, 1892/1904 und ungefähr 1936/38 - unabweisbar erschienen. Dabei hatte bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts der in Stuttgart ansässige Verwaltungsrat der Gebäudebrandversicherung die Oberaufsicht, während das Oberamt für die Zusammensetzung der Schätzungskommission zuständig war und der Ulmer Gemeinderat die Durchführung der Neuschätzung beaufsichtigte. Die Anlegung der Protokollbücher und Kataster oblag dabei in der Regel einem Beamten der städtischen Ratschreibereien2.

Bis dahin fast ausschließlich für die Kompensation von Brandschäden zuständig, wurde der Versicherungsschutz der Gebäudebrandversicherungsanstalt 1960 per Gesetz auf weitere Elementarrisiken wie Hagel, Hochwasser und Erdrutsch sowie 1971 auch auf Erdbeben ausgeweitet3. In Anpassung an den europäischen Binnenmarkt hob der Landtag von Baden-Württemberg das Versicherungsmonopol der Gebäudebrandversicherungsanstalt und die Versicherungspflicht für Gebäudeeigentümer zum 1. Juli 1994 auf. Die bisher als Anstalt des öffentlichen Rechts geführte Einrichtung wurde in eine private Gebäudeversicherung innerhalb der Sparkassen-Versicherungsgruppe mit der Bezeichnung "Gebäudeversicherung Baden-Württemberg AG" umgewandelt.

Weiterhin sind in dem Bestand auch Versicherungsabschlüsse der Stadt Ulm, einzelne Schadensfälle sowie die Beziehungen der Stadt zu Versicherungsunternehmen dokumentiert. In diesem Zusammenhang besonders hervorzuheben ist die Württembergische Feuerversicherung, die im Jahre 1828 mit einer staatlichen Bürgschaft als private Mobiliarfeuerversicherung unter der maßgeblichen Beteiligung des Ulmer Kaufmanns Georg Wechßler gegründet wurde4.

1: Zur Geschichte dieser Einrichtung siehe Sauer, Paul, 200 Jahre Württembergische Gebäudebrandversicherungsanstalt 1773-1973, Stuttgart 1973.
2: Seit 1919 wurden die Angehörigen der Schätzungskommission durch gemeinderätliche Wahl bestimmt: StA Ulm, B 972/0 Nr. 1.
3: siehe Borscheid, Peter, Sicherheit in der Risikogesellschaft. Zwei Versicherungen und ihre Geschichte, Stuttgart 1999
5: siehe dazu Württfeuer-Post Nr. 3/1977 und Südwest-Presse Nr. 240 vom 17.10.1972, S. 10.

B.h.4.1. Gebäudebrandversicherung
B.h.4.2. Versicherungen der Stadt