Stadtarchiv Ulm

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D. Stiftungswesen


Laufzeit: 1290 - 1990
Umfang: 33,8 lfm mit 1.890 Einheiten
Findmittel: Kartei, Datenbank (B 951/0-3) und Bandrepertorium (D) für die verzeichneten Unterlagen, Listen für provisorisch erfasste Unterlagen
Signaturen: B 951/0-3, D (und Name der Stiftung)
Verweis: vgl. A.t.1.4. Stiftungsunterlagen Hospital;
vgl. A.r.12.3. Stiftungsunterlagen Pfarrkirchenbaupfleg- und Religionsamt;
vgl. B.d.4.1.2. Protokolle des Stiftungsrats;
vgl. B.e.1.1. Protokolle der Ortsarmenbehörde;
vgl. B.h.3.2. Amtsgrundbücher "Stiftungen";
vgl. B.h.3.4.4. Rechnungen der Armenstiftungsverwaltung;
vgl. B.h.3.4.5. Rechnungen der Bürgerlichen Stiftungspflege;
vgl. B.e.4. Hospitalstiftung

Kurzbeschreibung:

Die mittelalterliche und frühneuzeitliche Überlieferung der teilweise als Deposita im Stadtarchiv verwahrten Einzel- und Familienstiftungen besteht überwiegend aus durch Regesten erschlossenen Urkunden1, Verwendungsnachweisen und Rechnungen. Die Anliegen der Stiftungen reichten von Jahrzeitstiftungen (Gedenkgottesdienste für verstorbene Angehörige) bis zu Armen- und Studienstiftungen. Während in der Reichsstadtzeit die Aufsicht über die Stiftungen entweder Mitgliedern der Stifterfamilie, Zunftvorständen, dem Rat oder dem Almosenkasten oblag, wurde das Stiftungswesen in der bayerischen Zeit vereinheitlicht. Um 1806/07 wurden zwei Administratorenstellen zur Überwachung und Verwaltung der Schul- und Wohltätigkeitsstiftungen eingerichtet, die bis zur württembergischen Reform des Stiftungswesens 1821/22 existierten2. In der Folgezeit orientierte sich die Stiftungsverwaltung wieder an den Wünschen der Stiftungsgründer, wobei der Stiftungsrat und die in den 1870er Jahren eingerichtete Ortsarmenbehörde die Oberaufsicht über die privaten Stiftungen ausübten. Im Anschluss an die Verwaltungsreform von 1919 wurde die Stiftungsverwaltung der städtischen Geschäftsverteilung angeglichen: So oblagen die Prüfung der Bedürftigkeit in der Regel dem Wohlfahrtsamt und die Vermögensverwaltung und Rechnungsführung der Stadtpflege. Durch die Inflation von 1922/23 und die Währungsreform von 1948 schmolz das ehemals beträchtliche Geldvermögen der Privatstiftungen, so dass Zusammenlegungen der ca. 150 bis dahin existenten selbständigen Stiftungen nötig wurden3. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zog sich die Stadtverwaltung immer mehr aus der Stiftungsbetreuung zurück. Daher befinden sich heute nur noch einzelne, von den Stiftern in die Obhut der Stadt übertragene Einzelstiftungen in der Verwaltung der Zentralen Steuerung/Finanzen bzw. der Abteilung Liegenschaften und Wirtschaftsförderung. Der Großteil der Privatstiftungen wird von Nachfahren der Stifterfamilien bzw. von Stiftungsrechnern und Administratoren betreut, die nicht mehr benötigte Unterlagen v. a. als Deposita dem Stadtarchiv übergeben.

1: vgl. A.a.6. Patrizier- und Bürgerstiftungen
2: siehe Wolbach, Christoph Leonhard von, Urkundliche Nachrichten von den ulmischen Privat-Stiftungen, Ulm 1847, S. 20 f.
3: siehe Jans, Hans Peter, Sozialpolitik und Wohlfahrtspflege in Ulm 1870-1930 (Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm, Bd. 25), Ulm 1994, S. 397.

D.a. Organisation und Verwaltung der privatrechtlichen Stiftungen
D.b. Einzel- und Familienstiftungen