Stadtarchiv Ulm

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J.b. Exlibris

Laufzeit: 1522 - ca.1910
Umfang: 400
Findmittel: Repertorium in Vorbereitung
Signatur: J 2

Kurzbeschreibung:

Eine umfangreiche Überlassung von Exlibris aus Privatbesitz führte um 1910 zur Bildung einer Sondersammlung. Die Mehrheit der Sammlung (260) stammt aus dem 16. bis 18. Jahrhundert und ist chronologisch geordnet. Fast ausschließlich handelt es sich dabei um Wappenexlibris, einzelne weitere Motive sind vor allem im 18. Jahrhundert allegorische und symbolische Darstellungen. Eine besondere Form sind die sog. redenden Exlibris, bei denen der Name des Bucheigentümers bildlich umgesetzt ist (z. B. Müller mit einem Mühlrad). Bei einer nicht geringen Anzahl von Exlibris war eine konkrete personelle bzw. institutionelle Zuordnung zum Bucheigentümer und eine präzise Datierung nicht möglich. Die chronologische Einordnung erfolgte in solchen Fällen nach stilgeschichtlichen und drucktechnischen Kriterien.
Einen eigenen Teil innerhalb der Sammlung bilden die sog. Namensexlibris (vollständiger Namensaufdruck auf dem Exlibris, fast ausschließlich nichtheraldische Motive) des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts (140), die alphabetisch nach den Namen der Bucheigner geordnet sind.

Der überlieferten Sammlung kommt wegen ihres Umfangs und ihrer Vielschichtigkeit ein hoher kultur- und sozialgeschichtlicher Quellenwert zu.
In der künstlerischen Gestaltung, teilweise durch namhafte Künstler, folgen die Exlibris den jeweils vorherrschenden Kunstrichtungen ihrer Entstehungszeit.
Unter den im Ulmer Bestand überlieferten Mottos der Exlibris (Wahlsprüche, Devisen etc.) finden sich auch sog. Bücherflüche:
Otto Pfeiffer aus Wien: "Mein sei dieses mir teure Buch, mein soll es bleiben"[ ...] "verflucht, der es leichtsinnig borgt, um es mir nimmer zu geben. Es drücke sein locker Gewissen, allhier und im ewigen Leben."
Die drucktechnische Entwicklung der Exlibris ist eng mit dem Buchdruck und der Druckgraphik verbunden und reicht dementsprechend vom Holzschnitt, Kupferstich, Radierung und Lithographie bis zu den Lichtdruckverfahren.

Der Bestand enthält zahlreiche Exlibris von Privatpersonen unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlicher Berufe, von namhaften Persönlichkeiten des öffentlichen, kulturellen und kirchlichen Lebens wie auch der Wirtschaft sowie von bedeutenden Familien, Gesellschaften und Institutionen in Ulm und im In- und Ausland, darunter:

Dr Johannes Eck, Theologe und Gegner Martin Luthers, 1522 (handkoloriert), Künstler: Hans Springinklee, Schüler und Mitarbeiter Albrecht Dürers

Bibliotheca Palatina in Heidelberg, 1623 - über dem bayerischen Wappen die Inschrift: "Sum de Bibliotheca, quam Heidelberga capta, Spolium fecit & P.M. Gregorio XV. trophaeum misit. Maximilianus utriusque Bavariae Dux &c. S.R.I. Archidapifer et Princeps Elector" - Künstler: Raphael Sadeler. Gilt in der Exlibris-Forschung als eines der "interessantesten Bibliothekszeichen" nach Dürer (Karl Emich Graf zu Leiningen - Westerburg, Deutsche und Österreichische Bibliothekszeichen. Exlibris, Stuttgart 1901, Ndr. 1980, S.491.)-

Erasmus Rauchschnabel, Ulmer Goldschmied und Ratsherr, Sondergesandter auf dem Reichstag in Augsburg 1530, gest.1552

Markus Wollaib (1599-1678), Prediger am Ulmer Münster

Dr Eberhard Gockel, Ulmer Stadtarzt, 1656

Dr Philipp Jakob Wieland (1863-1949), Ulmer Industrieller

Ulmer Patrizierfamilien: u.a. Besserer, Krafft, Schad, Schermar

Pröpste des Augustinerchorherrnstifts St. Michael zu den Wengen in Ulm: u.a. Augustin Erath von Erathsberg, 1693 (handkoloriert) und Nikolaus I. Bucher (1785 -1803)

Benediktinerkloster Wiblingen:
Abt Modestus I. Huber (1692-1729) - Künstler: Georg Konrad Bodenehr

Ulmer Lesegesellschaft, um 1800

Universität Tübingen, um 1560

Kirche und Stift St. Moritz in Augsburg, 1624

Johann Gottlieb Immanuel Breitkopf, Musikverleger und Freund Goethes, um 1750

Theodor Mommsen, Historiker und Nobelpreisträger, 1902

Rudolf Virchow, Mediziner und Politiker, 1902